Der stille Überlebenskampf in Venezuelas Barrios
Während die Weltnachrichten im Januar 2026 von militärischen Sondersitzungen und dem Ende der Ära Maduro sprechen, sieht die Welt in den engen Gassen von Petare oder den staubigen Vierteln von Maracaibo ganz anders aus. Für die Menschen dort ist die „Krise im Dauerzustand“ bittere Realität.
Wenn Medizin zum Luxusgut wird
Besonders prekär ist die Lage im Gesundheitswesen. In den öffentlichen Krankenhäusern herrscht oft ein Mangel von 70 bis 80 % an grundlegenden Materialien. Als Krankenpfleger weiß man, was das bedeutet: Ohne Material sind einem die Hände gebunden.
- „Traigalo usted“ (Bringen Sie es selbst mit): Wer heute in ein Krankenhaus eingeliefert wird, erhält oft eine Liste: Spritzen, Kochsalzlösung, Handschuhe und sogar OP-Kittel müssen die Angehörigen selbst in privaten Apotheken kaufen und mitbringen. Ohne diese „Mitbringsel“ findet oft keine Behandlung statt.
- Personalflucht: Fast die Hälfte aller registrierten Ärzte hat das Land verlassen. Zurück bleiben oft überlastete Pflegekräfte und Berufsanfänger, die unter katastrophalen hygienischen Bedingungen (oft ohne fließendes Wasser) versuchen, Leben zu retten.
- Chronisch Kranke: Für Menschen, die auf Dialyse oder Krebsmedikamente angewiesen sind, gleicht das Leben einem russischen Roulette. Die Geräte sind oft defekt, und die Medikamente auf dem Schwarzmarkt kosten ein Vermögen.
Der tägliche Kampf im Supermarkt
Die Inflation ist auch im Januar 2026 der größte Feind am Küchentisch. Ein durchschnittlicher Monatslohn reicht oft nicht einmal für die Verpflegung von drei Tagen.
| Lebensmittel | Ungefährer Preis (Januar 2026) |
|---|---|
| 1 kg Maismehl (Harina P.A.N.) | ca. 1,40 – 1,80 USD |
| 1 Liter Milch | ca. 1,80 – 2,20 USD |
| 1 kg Reis | ca. 1,30 – 1,60 USD |
| 1 kg Hühnerfleisch | ca. 4,50 – 6,50 USD |
| 12 Eier | ca. 3,50 – 4,00 USD |
| 1 kg Kartoffeln | ca. 2,00 – 2,50 USD |
Zum Vergleich: Viele Geringverdiener und Rentner müssen mit umgerechnet weniger als 10–20 USD im Monat überleben.
Ein Alltag aus Warteschlangen und Ungewissheit
In den frühen Morgenstunden nach den jüngsten geopolitischen Erschütterungen Anfang Januar waren die Straßen in Caracas gespenstisch leer. Wer es sich leisten konnte, kaufte Vorräte. Doch in der Unterschicht ist „Vorratshaltung“ unmöglich.
Die Angst vor bewaffneten Gruppen und der allgemeinen Kriminalität ist allgegenwärtig. Viele Menschen trauen sich kaum aus dem Haus, aus Sorge, in die Wirren der politischen Neuordnung zu geraten oder Opfer von Überfällen zu werden.
Die Stimme der Menschen
„Wir wollen einfach nur in Frieden leben“, hört man oft in den Schlangen. Die große Politik ist weit weg. Der Fokus liegt auf der nächsten Mahlzeit und der Sorge, dass niemand in der Familie krank wird.
Was bleibt, ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass dieser Umbruch endlich eine spürbare Verbesserung bringt – sowohl im Kochtopf als auch in den völlig maroden Krankenhäusern des Landes.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen von Verwandten oder Bekannten aus Venezuela gehört? Schreibt es uns in die Kommentare.

